Dies ist ein weiterer Beitrag unserer Serie: Daumen hoch für eine Ausbildung.
Unser erster Beitrag: Dreimal Daumen hoch
Heute schreibt uns Lisa über ihre Erfahrungen bei einem Knigge-Kurs:
Azubis lernen “Knigge”

Als meine Kollegen und ich zu einem Benimmkurs eingeladen wurden, fragten wir uns zunächst, ob unser Benehmen wirklich so sehr zu wünschen übrig lässt. Das Gegenteil versicherte uns ein Mitarbeiter der AOK aber schon zu Beginn der Veranstaltung. Knigge kann man in allen Lebensbereichen und Berufen brauchen. Vom Elektriker auf Baustellen bis hin zur Angestellten im Büro, vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer.
Bereits im 18. Jahrhundert machten sich die Menschen Gedanken über den richtigen Umgang miteinander. So reiste Freiherr von Knigge durch Deutschland und schrieb auf, welche Auffälligkeiten ihm beim Verhalten der Menschen in bestimmten Situationen gefallen haben. Manche Dinge, wie das Verbeugen voreinander zur Begrüßung haben sich mittlerweile geändert, doch wesentliche Dinge wie ein fester Händedruck sind seit dieser Zeit gleich geblieben.
Benimm-Kurs der AOK
In dem Benimmkurs in der AOK-Geschäftsstelle in Landshut lernten vier unserer Ramsauer-Azubis und noch fünf weitere Auszubildende von Unternehmen aus der Landshuter Region, wie man sich selbst richtig präsentiert, welche Themen man beim Smalltalk ansprechen darf, wie man sich richtig in der Arbeit und zu beruflichen Veranstaltungen kleidet und wie man sich zu Tisch benimmt.
Der erste Eindruck zählt
Da der erste Eindruck bis zu einem Jahr hält, sollte man ihn mit einer richtigen Begrüßung beginnen. Doch wer grüßt wen zuerst? Und wem darf man die Hand reichen? In der Regel grüßt der Erste im Raum den Hereinkommenden, der Mann die Frau, der Jüngere den Älteren und im Betrieb der Rangniedrigere den Ranghöheren. Der Mensch hört seinen eigenen Namen sehr gerne, deshalb wiederholt man den Namen bei der Begrüßung noch einmal. Zum Beispiel: „Grüß Gott, Herr XY. Mein Name ist Frau YX.“ Beim Händedruck ist es umgekehrt: Die Frau gibt dem Mann die Hand, der Ältere dem Jüngeren und der Ranghöhere dem Rangniedrigerem. Dabei ist die richtige Stärke des Händedrucks, das Halten des Blickkontakts und dem Gegenüber ein wenig zu zu lächeln sehr wichtig.
Was ist ein Smalltalk?
Wenn man mit dem Begrüßen fertig ist, bietet sich ein Smalltalk an. Das ist eine Unterhaltung, die zwischen einer Minute und 30 Minuten andauern kann. Dabei kann man positive Themen, wie Aktuelles im Betrieb, Sport, Wetter, das momentane Umfeld oder Pläne für den restlichen Tag ansprechen. Deprimierende Themen, wie Krankheit, Lästereien oder zu Privates sollten vermieden werden. Als Belohnung für ein erfolgreiches Gespräch bekommt man ein positives Bild des Gegenübers und ein lockeres Verhältnis.
Der richtige Dress-Code
Wer knigge sein will muss auch den Dress Code beherrschen: Je nach Beruf gilt es auch die richtige Kleidung dem Anlass entsprechend zu tragen. Im Fall unserer Elektriker müssen die Sicherheitsvorschriften eingehalten und Schutzkleidung getragen werden. Ist man zum Beispiel Bankkaufmann so wird bei Männern ein Anzug erwartet, dessen Hosenlänge nicht zu lang und nicht zu kurz sein sollte (keine Hochwasserhosen). Bei einem richtigen Anzug darf natürlich die Krawatte nicht fehlen. Sie darf getupft, gestreift oder in Unifarben getragen werden. Aufdrucke wie Entchen oder Bärchen sind nicht erwünscht. Eine Fliege zu tragen hebt man sich für besondere Anlässe auf und wird nur bei der Abendgarderobe gern gesehen. Frauen haben bei der Kleiderwahl mehr Spielraum: Ein knigge-richtiges Bürooutfit ist zum Beispiel ein Blazer kombiniert mit einem Rock, der mindestens bis eine Hand breit über dem Knie reichen sollte. Außerdem kann man mit Farben, Accessoires, Düften und Frisuren den eigenen Stil unterstreichen. Zu tiefe Dekolletés, Miniröcke, Schuhe mit hohen Absätzen über 6 Zentimeter und mehr als 5 Accessoires an einem Outfit sollten vermieden werden. Allgemein ist man besser overdressed als underdressed.

Suppe zum üben
Zum Abschluss unseres Benimmkurses bekamen wir eine leckere Kartoffelsuppe mit Brot und zum Dessert Weintrauben. Das richtige Besteck für dieses Essen mussten wir uns selbst aussuchen und auch richtig benutzen. Anschließend beurteilte der Vortraggeber uns und wir staunten wie viel man bei einer so einfachen Mahlzeit falsch machen kann:
- mit dem Besteck klappern
- die Ellenbogen auf dem Tisch haben
- das Brot in die Suppe eintauchen
- den Teller aufstellen
- von der ganzen Brotscheibe abbeißen
- die Weintrauben mit dem Besteck essen
- die Serviette als Taschentuch benutzen
- oder nach dem Essen in den Teller legen
- …
Richtig macht man es so:
- die Serviette auf den Schoß legen oder neben dem Teller liegen lassen
- erst reden wenn man nichts mehr im Mund hat
- beim Husten oder Niesen in die Richtung drehen, in der niemand sitzt
- Fingerfood mit der Hand essen
- Brot in mundgerechte Stücke brechen
- Butter wird nur Biss für Biss aufs Brot gestrichen
- Salat nur mit Gabel essen, aber große Blätter mit Hilfe des Messers falten
- nach dem Essen das Besteck parallel auf „20 nach 4“ in das Teller legen
Mein persönliches Fazit
Mir hat der Knigge-Kurs sehr gut gefallen, da er durch ein Quiz zur Selbsteinschätzung in bestimmten Situationen, einer Präsentation und dem Probeessen abwechslungsreich aufgebaut war. Am Ende des Benimmkurses gingen wir glücklich, mit vollem Magen, neuem Wissen und gut gewappnet für zukünftige Geschäftstermine nach Hause.
Dies ist der Beginn unserer Serie: Daumen hoch für eine Ausbildung
Unser erster Beitrag: Dreimal Daumen hoch
Unser zweiter Beitrag: Azubis lernen “Knigge”